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Es darf jeder auf eigenem Grundstück nackt sein, auch wenn das Grundstück von anderen einsehbar ist, solange man nicht absichtlich provoziert.

Beim Nackt-Sein in der Öffentlichkeit wird es ein wenig komplizierter. Viele Menschen glauben, man dürfe nicht öffentlich nackt sein, es sei verboten. Das ist ganz falsch. Nacktheit oder Kleidung wird in deutschen Gesetzen überhaupt nicht erwähnt. Es gibt also überhaupt keine Kleidervorschrift. Es gibt aber ein Gesetz, dass uns die freie Entfaltung unserer Persönlichkeit zusichert, und es gibt ein Gesetz, dass uns ein Leben nach unserer Weltanschauung zusichert. Es handelt sich hierbei um Grundrechte aus dem Grundgesetz (kurz GG), die ich im Folgenden zitiere:

Art. 2 Abs. 1 GG:
Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Art. 4, Abs. 1 GG:
Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

Ausführlicher als Art. 4 GG beschäftigt sich Art. 18 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen mit der Freiheit der Weltanschauung:

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schliesst die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.

Zu diesen Gesetzestexten möchte ich ein paar eigene Ausführungen und Anmerkungen machen, ohne den Anspruch auf juristische Richtigkeit zu erheben.

Zu Art. 2 Abs. 1 GG:

Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit schließt auch das Recht ein, Kleidung jeder Art zu tragen, oder auch ganz auf Kleidung zu verzichten.
Rechte anderer werden dadurch sicher nicht verletzt. Ein Recht, Menschen bekleidet oder unbekleidet nicht sehen zu müssen, gibt es nicht. Es wäre auch sehr merkwürdig, wenn Menschen ausgerechnet die Geschlechtsteile der eigenen Gattung per Gesetz verhüllen würden, die Geschlechtsteile und sogar die geschlechtliche Vereinigung aller anderer Gattungen aber unvoreingenommen betrachteten. Schließlich kann die eigene Art nicht abstoßender erscheinen als andere Arten, sondern eher umgekehrt.
Die verfassungsmäßige Ordnung kann durch unterschiedliche Kleidung oder durch das Weglassen der Selben sicher nicht berührt werden, höchstens im positivem Sinne, denn nackte Menschen können keine Waffen verstecken.
Ü ber das Sittengesetz habe ich ein Wenig im Internet recherchiert. Ein Sittengesetz in der Art anderer Gesetze wie zum Beispiel das Grundgesetz gibt es nicht. Es handelt sich hier um eine philosophische Betrachtung von Moral. Das Sittengesetz ist der sogenannte kategorische Imperativ, der von Immanuel Kant mehrfach mit ähnlichem Wortlaut und gleicher Bedeutung formuliert wurde und lautet wie folgt:
Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. (Aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten)
Oder diese Formulierung:
Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne. (Aus dem Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft in der Kritik der praktischen Vernunft)
Leonard Nelson entwickelte den kategorischen Imperativ Kants zu einem Abwägungsgesetz weiter, mit dessen Hilfe im Falle des Konflikts von Interessen entschieden werden kann, ob eine Handlung moralisch erlaubt ist. Dieses "Sittengesetz" ist die Grundlage der rechtlichen und politischen Organisation eines menschenwürdigen Zusammenlebens.:
Handle nie so, daß Du nicht auch in Deine Handlungsweise einwilligen könntest, wenn die Interessen der von ihr Betroffenen auch Deine eigenen wären. Erläuterung: Das Kriterium der gerechten Abwägung liegt also in der Vereinigung der Interessen in einer und derselben Person. Wir brauchen also nur .unsere Interessen und die kollidierenden Interessen unserer Partner in uns vereinigt zu denken, sie gegeneinander abzuwägen, um so zum konkreten Gebot zu gelangen, welche Interessen vorzuziehen sind, was also zu tun ist.
Nach dem kategorischem Imperativ Kants kann ich eindeutig sagen, dass Nacktsein nicht gegen das Sittengesetz verstößt, da ich durchaus möchte, dass die freie Entscheidung, ob man Kleidung trägt oder nicht, zu einem allgemeinen Gesetz wird und genau genommen sogar schon ist.
Nach der gerechten Abwägung Nelsons sieht das so aus: Wenn ich die (begründbare) Freiheit liebe nackt zu sein, die dadurch Betroffenen aber (unbegründbar) keine Nackten sehen möchten, welche Interessen sind dann vorzuziehen? Für mich ist klar: Nacktheit ist natürlich, Nacktheit als peinlich oder abstoßend zu empfinden ist unnatürlich, weil nur durch Erziehung und gewohnheitsmäßigen immerwährenden Einsatz von Kleidung entstanden. Möge jeder selbst entscheiden, was also bei diesem Interessenskonflikt zu tun ist.

Zu Art. 4, Abs. 1 GG und Art. 18 der UN Menschenrechtserklärung:

Hier wird die Freiheit des weltanschaulichen Bekenntnisses zugesichert und die Freiheit, seine Weltanschauung öffentlich durch Ausübung zu bekennen.
Eine Weltanschauung ist die subjektive und/oder naturwissenschaftliche und/oder philosophische grundsätzliche Vorstellung der Welt und der Stellung des Menschen in der Welt, aber auch die Vorstellung der geeigneten Gesellschaftsform und der Gestaltung des eigenen Lebens.
Meine nackte Lebensweise ist ein fundamentaler Baustein meiner Weltanschauung. Kleidung dient in meiner Weltanschauung nur dem Schutz vor lebensfeindlichen Umweltbedingungen und Gefahren. Ich stelle mir eine Gesellschaft vor, in der Nacktheit überhaupt kein Thema ist, in der man jederzeit nackt sein kann, solange man eben nicht friert und in der Webseiten wie diese hier absolut überflüssig sind.
Weil dies zu meiner Weltanschauung gehört ist das Gesetz auf meiner Seite, oder sollte es zumindest sein.

Das einzige Gesetz überhaupt, das Nacktsein einschränken könnte, ist der Paragraph 118 Abs. 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten, kurz OWiG.:

Ordnungswidrig handelt, wer eine grob ungehörige Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Allgemeinheit zu belästigen oder zu gefährden und die öffentliche Ordnung zu beeinträchtigen.

Doch was ist grob ungehörig? In der Nase popeln? Und ist Nacktsein überhaupt eine Handlung? Belästigt Nacktsein die Allgemeinheit, und falls doch, einen wie großen Teil der Allgemeinheit? In einer Zeit, wo die Massenmedien vor lauter nackter Menschen nur so überquellen, kann wohl niemand mehr ernsthaft behaupten, die Allgemeinheit fühle sich dadurch belästigt. Wenn dem so wäre, dann müsste ja auch da das Gesetz greifen. Einige empören sich ohne überhaupt zu wissen warum. Sie können gar nicht erklären, was sie daran so schlimm finden. Vielleicht liegt es an der Erziehung. Manch einer glaubt auch es sei verboten und meint seiner Bürgerpflicht nachkommen zu müssen. Dann gibt es auch noch Leute die meinen, Kinder dürften keine nackten Menschen sehen, was natürlich völliger Unsinn ist.
So wird dann nach den Ordnungshütern gerufen. Diese sind dann vielleicht etwas übereifrig und verlangen von dem nackten Menschen, er möge sich bekleiden, obwohl tatsächlich niemand belästigt oder gar gefährdet war. Vielleicht verhängen sie auch ein Bußgeld (wonach richtet sich das eigentlich?). Sie wollen die vermeintlich gestörte öffentliche Ordnung wiederherstellen, und das, obwohl gar keine Belästigung vorlag.
Schlimm ist dabei, dass die Ordnungshüter dabei quasi immer im Recht sind, denn es genügt ja schon, wenn eine Handlung geeignet ist zu belästigen und die Ordnung beeinträchtigt. Tatsächlich braucht sich also überhaupt niemand belästigt zu fühlen, um ein Einschreiten zu berechtigen, wenn nur ein Ordnungshüter meint, es könnte sich ja jemand belästigt fühlen.
Eine Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung lässt sich leicht herleiten. Schließlich ist es äußerst ungewöhnlich, wenn jemand öffentlich nackt ist. Es könnte einen Menschenauflauf geben. Das Beispiel könnte ja auch Schule machen und es könnten vermehrt nackte Menschen auftreten, was ja wirklich eine schreckliche Entwicklung wäre. Ich sage nur "Sodom und Gomorra!"
Spaß beiseite. Nach meinen langjährigen Erfahrungen gehen die Ordnungshüter meist umsichtig mit diesem Paragraphen um, sodass es bei Nacktheit in der Natur nur selten zu Problemen kommt. Weniger toleriert wird Nacktheit inmitten unserer gesellschaftlichen Zentren, also in den Strassen der Ortschaften und Städte oder gar an besonders kulturellen Orten wie zum Beispiel im Theater (es sei denn, die Darsteller sind nackt. Dann ist das wieder ein kulturelles Ereignis. Menschen sind schon sehr merkwürdige Lebewesen).

Tatsächlich kommt dieser Paragraph immer wieder mal in Verbindung mit Nacktheit zur Anwendung, oft auch sehr willkürlich und mit Bußgeldforderung, und wird somit über die oben zitierten gesetzlich zugesicherten Grundrechte gestellt, was ein Skandal ist. Niemand, der mit seinen Motiven für das Nacktsein reinen Gewissens ist, sollte sich das gefallen lassen.

Vermerk: Bei der Recherche nach Nudismus und Rechtslage habe nur eine einzige Webseite mit nützlichen Infos gefunden -> Natürlich Nackt



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